Vinyl Geschichten IV – Mit oder ohne Miles

Genau betrachtet, stellte sich die Frage, ob mit oder ohne Miles Davis, für mich bis anhin nie.
Mein musikalisches Leben verlief vorwiegend in relativ ruhigen Bahnen, ohne dass zu irgend einem Zeitpunkt eine LP von Miles Davis auf meinem Plattenteller lag.
Nicht dass ich ihn nicht mochte, vielmehr ist die Faszination seines Spiels einfach nie bis zu mir durchgedrungen.
Nun gut, versehen mit dieser Grundhaltung weilte ich kürzlich wie so oft in meinem Lieblingsplattenladen im aargauischen Würenlingen.
Wie es der Zufall wollte, war ich der einzige Kunde im Laden und der Geschäftsführer, unterdessen ein guter Freund geworden, hatte ausreichend Zeit und Geduld, sich mit mir lang und breit über unser liebstes Thema, Musikstile und Vorlieben, zu unterhalten.
Über Umwege landeten wir irgendwann bei Miles Davis und auf meines Gesprächpartners Frage, welches Album von Miles mir am besten gefalle, musste ich einmal mehr gestehen, dass keine einzige Platte von ihm bei mir im Regal stehe.
Diese Tatsache brachte meinen Musikfreund dann doch etwas aus der Fassung, herrscht doch landauf landab die Auffassung, Miles Davis sei eines der grossen zeitgenössischen Genies.
Ich erwähnte zu meiner Verteidigung einige Argumente für mein Verhalten in der Causa Miles, doch das Thema liess sich nicht so einfach vom Tisch wischen.
Durch meine, aus Sicht des Schallplattenprofis, Unkenntnis angespornt, begann ein Anschauungsunterricht der besonderen Art zum Thema Miles Davis.
Angefangen bei „Birth of the cool“ und „Miles Ahead“ aus den frühen fünfziger Jahren, über „Sketches of Spain“ (1960) oder „Bitches Brew“, dem Beginn der Fusion Phase, hörten wir uns durch die Aufnahmen vieler Jahre dieses einflussreichen Jazz Musikers, doch ich blieb bei meiner ursprünglichen Auffassung, dass sich mir sein Spiel zu wenig erschliesse.
Und dann landeten wir bei „We want Miles“, einer Live Aufnahme von 1982 mit dem grossartigen Mike Stern an der Gitarre, Marcus Miller am Bass, Al Fosters Drums und Bill Evans am Sopransaxophon. Plötzlich öffnete sich in meinem geistigen Musikuniversum eine Tür und die Klänge von „We want Miles“ breiteten sich im Raum aus. Alles was ich an Fusion liebte, war in diesen Songs enthalten. Allem voran die beiden Kracher „Jean Pierre“ und „Black Seat Betty“, einfach wunderbar. Und in diesem Augenblick wusste ich, dass sich für mich die Frage, mit oder ohne Miles, nie mehr stellen würde.

Alltagsgeschichten Nr.23

Gleich neben dem Bahnhof Enge, in einem mehrstöckigen alten Bürogebäude an der Bederstrasse 4, befindet sich das Bücherbroki Zürich.

Eine steile Betontreppe führt hinunter in mehrere grosszügige Räume des Untergeschosses – vermutlich einem ehemaligen Lagerbereich – der vor lauter Büchern beinahe überquillt.

Gleich im Eingangsbereich des grössten Raumes, befindet sich die Kasse und ein Verkaufstresen, ebenfalls mit zahlreichen Druck-Erzeugnissen voll gepackt, daneben stehen auf dem Boden dutzende mit gelesenen Büchern gefüllte Papiersäcke, die jeweils von den Besuchern vorbeigebracht werden, um dann nach und nach von den Mitarbeitern aussortiert und in den jeweiligen Regalen eingeordnet zu werden.

Die langen Regale sind nach Themen wie Belletristik, Kunst/Architektur, Geographie/Reisen, Religionen, Biografien und vielem mehr geordnet. Anders als in gewöhnlichen Brockenstuben sind hier die Bücher fein säuberlich in den jeweiligen Sparten unterteilt, entweder nach Autoren, oder zusätzlich, wie in der Abteilung Belletristik, auch nach Verlagen. Dadurch wird einem das Suchen und Stöbern um einiges erleichtert. Auch sind die Artikel in angenehm guten Zustand, keine zerfledderten oder vergilbte Exemplare. Mit ein wenig Glück findet man sogar beinahe neuwertige Bände.

Meistens sind drei bis vier Mitarbeiter gleichzeitig anwesend; ein junger Mann mit Brille und Pagenschnitt an der Kasse, eine ältere Dame, gekleidet mit Jupe und Bluse, beim durchsehen der Papiersäcke mit den neu zurückgebrachten Büchern, eine jüngere Frau am einsortieren in den Regalen und einem Mann in fortgeschrittenen Alter, der sich in einem weiteren Raum, einer Art Büro, um den Papierkram kümmert.

All dies geschieht in einer ruhigen, gemächlichen Atmosphäre, in der man sich sogleich recht wohl fühlt und die zum ausgiebigen schmökern einlädt.

Manchmal geschieht es, dass ich auf einen Besuch vorbeikomme und die Zeit vollkommen vergesse, während ich durch die Regale wandere und das eine oder andere Buch in einem der roten Einkaufskörbe landet, die beim Eingang bereit stehen.

An der Kasse geht es meistens ebenso bedächtig zu und her; ein paar Kunden möchten zahlen, andere wiederum benötigen eine Auskunft, ein weiterer ist in ein längeres Gespräch mit dem Kassierer verwickelt.

Und jedesmal, wenn man wieder über die Treppe zum Ausgang und ans Tageslicht gelangt, erscheint es einem wie ein Aufstieg aus einer anderen, älteren Welt. Einer Welt der geschriebenen Worte, ähnlich dem wunderbaren Buch von Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher“.

Musikgeschichten Nr.16

Ob ich denn nur noch über Vinyl und Musikhören schreiben würde, wurde ich letzthin gefragt. Nun ja, ich gebe zu, dass das Musikhören einen beträchtlichen Teil meiner Freizeit einnimmt und ich mich deswegen auch vermehrt darüber auslasse. Aber ich wage anzufügen, dass Musik machen und Musik hören untrennbar miteinander verbunden sind. Nicht nur das aktive Üben am Instrument, auch das passive Anhören verschiedenster Musik lässt mich als Musiker wachsen. Neue Ideen fliessen in das eigene Spiel ein, erweitern den Horizont. Des weiteren finde ich auch den Erfahrungsaustausch mit anderen Musikhörern äusserst interessant; wie hören sie Musik, welche Musik berührt sie etc.etc. Und das führt mich, neben Treffen mit meinen Musiker-Freunden, jeweils in die Plattenläden, sprich zu ihren Inhabern. Mit diesen Menschen entwickeln sich immer wieder spannende Diskussionen über Musik. Und da bin ich wieder bei einem meiner Lieblingsthemen; den Besuch in einem Fachgeschäft. Wie ich das schätze, von einem realen (!) Menschen beraten zu werden, mich zu unterhalten, einem fast vergessenen Vergnügen fröhnend: dem Austausch  zweier Personen in einem Ladengeschäft. Um es mit einem allgegenwärtigen Klischee auszudrücken: eine „win – win“ Situation. Nicht dass ich die Vorzüge des Internets und des online-Handels nicht auch zu schätzen wüsste, aber ich möchte nicht vergessen, dass da draussen auch noch einige gut ausgebildete Fachkräfte für unser Wohl beim Erwerb von Musik oder Musikinstrumenten sorgen. Und genau deshalb nehme ich mir weiterhin die Zeit, diese Orte zu besuchen und darüber zu schreiben. Auf dass es noch viele Jahre Plattenläden und Musikläden gebe!

Vinyl Geschichten III

Und weiter gehts mit munterem Vinyl! Nachdem ich letztes Jahr einen Grossteil meiner Plattensammlung aufgelöst habe, entstand Platz und Lust auf neue, mir noch unbekannte Musik. Anstatt mich stundelang im Internet auf Musikplattformen zu tummeln, aktivierte ich meine ehemaligen Vinyl Bekanntschaften, sprich Plattenläden, und verbringe nun wieder einen beträchtlichen Teil meiner Freizeit in diesen Oasen des Musihörens. Das schöne daran ist, dass ich so durch Beratung und Tipps Musik kennenlerne, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Nicht nur dass ich viele der neuen Bands gar nicht kenne, auch die Definitionen der verschiedenen Stile hat sich dermassen verändert, dass ein Durchblick ohne Hilfe fast nicht mehr möglich ist. Da sitze ich nun also im Jamarico in Zürich, oder in der Rille in Würenlingen und freue mich auf neue Entdeckungen aus der Welt der Musik.

Eine dieser Entdeckungen ist z.Bsp. das aktuelle Album von ALGIERS namens „There Is No Year“. Beim ersten Hören erinnerte ich mich an die New Wave Sounds aus den 80ern, gemischt mit einem zuweilen Gospelartigen Gesang und einer Prise Industrial. Wahrlich eine spannende Mischung! Aber ich war sofort fasziniert, wie Zeitgenössisch das alles klang. Und immer wieder dieser besondere, kräftige Gesang. Nun, das Resultat war, dass ich mir die Platte kaufte und ein weiteres Stück neue Musik in meinem Plattenregal thront.

Mehr zum Album unter:

Algiers: There Is No Year (Kritik & Stream) – Musikexpress

Vinyl Geschichten II

In letzter Zeit besuche ich wieder vermehrt meine LieblingsPlattenLäden. Viele davon gib es natürlich nicht mehr, aber zwei Shops liegen mir nach wie vor am Herzen. Einer davon ist der Jamarico in Zürich. Wann immer ich dort aufkreuze, stellen mir die beiden Inhaber Woody und Renzo eine Auswahl der Neuheiten zusammen und ich setz mich entspannt an einen der Plattenspieler, verschwinde unter dem Kopfhörer und lasse mich überraschen.

Diesmal hat es mir eine Compilation angetan. Sorgfätig zusammengestellte Rosinen aus den frühen Siebzigern. Allesamt unbekannte Titel und Interpreten und doch ist jeder einzelne Song eine Perle für sich. Stilmässig bewegt sich das ganze Album im Bereich von Folk/Softrock/Psychedelic. Das Album Cover ist liebevoll gestaltet, selbst das Label (Schallplatten Etikett) ist handbemalt! In den Liner Notes erzählt der Initiator des Albums kurz die Geschichte der Compilation. Woody, Renzo und ich sind uns einig, es gibt nach wie vor so viel gute Musik zu entdecken.

Mehr Infos unter:‚Sad About The Times‘: Hear A Track From Mikey Young’s ’70s Obscurities Comp – Stereogum

 

Vinyl Geschichten I

Wiedermal auf Entdeckungsreise in den Vinyl-Stores. Diesmal auf Besuch in der Rille in Würenlingen ( www.rille.ch ). Entdeckt habe ich die neue LP des französischen Projekts Roseaux.  Hinter dem Namen stehen drei Franzosen, einer davon ein bekannter DJ, die anderen stammen aus dem Dunstkreis der französischen Jazz Szene. Ergänzt mit weiteren Musikern, haben sie bereits das Debut Album „Roseaux“ aufgenommen, alles Coverversionen verpackt in einen Kammer-Jazz Mantel. Auf dem aktuellen Album „Roseaux II“ hingegen sind alles Eigenkompositionen, jeder Song mit einem anderen Sänger/Sänerin. Wunderschöne Songs, mit einer unglaublichen Dynamik vorgetragen, in jedem Stück wird ein weiterer Spannungsbogen aufgezogen, einfach ein Genuss. Es ist kein lautes Album, aber es mangelt nicht an Dramatik und aus der Stille erwacht immer wieder eine Überraschung.

Mehr zu diesem Album unter: Die französische Supergroup Roseaux bringt mit ihrem zweiten Album Soul und Sinnlichkeit – Sound Supreme – Musik – COSMO – Radio – WDR

Musikgeschichten Nr.15

`Die Stille zwischen den Noten ist genau so wichtig wie die Noten selbst` (Zitat:W.A.Mozart)

 

Ein Satz, der mich in den letzten Jahren immer wieder daran gemahnt hat, dass Musik nicht nur aus möglichst vielen Tönen, sondern ebenso aus Pausen und ruhigen Momenten, besteht.

Wieviel spannender ist Musik, wenn uns eine gutgesetzte Pause erst auf den kommenden Klang vorbereitet, uns an eine Variation heranführt, uns Gelegenheit zum Atmen gibt.

 

Es geht nicht darum, virtuoses Spiel und sportlich schnelle Passagen zu verurteilen, doch als ich letzthin ein Video des Hochleistungs-Sport-Gitarristen Yngwie Malmsteen ansah, kamen mir dann doch die einen oder anderen Zweifel, ob dies noch etwas mit Musikgenuss zu tun hat….ausser natürlich für den Spieler selbst.

 

Mut zu Pausen, einen Rat, den mir mein damaliger Gitarrenlehrer Peter Kuhn, immer wieder ans Herz legte, und den ich als Jungspund lange Zeit vernachlässigte. Erst mit den sogenanten reiferen Jahren, glaubte ich zu erkennen, wie wichtig dieser Mut zu Pausen ist.

Wenn wir uns einmal selbst beobachten; beim spielen einer Impro, neige ich eher zum Vielspielen, oder gehe ich die Sache geruhsam an? Meistens reihen wir doch möglichst viele Töne aneinander, stets auf der Suche nach dem spektaktulären Lauf, der ultimativen Sequenz. Wieviele überflüssige, ja sogar unpassende Noten spielen wir da jeweils an.

Und nun versuchen wir einmal, die Hälfte der Noten wegzulassen, nach einem Lauf eine Pause einzulegen, der Musik Luft zu geben. Und dann erst die nächste Variation anzusetzen. Plötzlich wirken die Motive stärker, Spannung kommt auf, Freude auf den nächsten Coup. Auch ich ermahne mich immer von neuem, wieder den Mut zu Pausen zu pflegen, und jedesmal bemerke ich, dass ich viel gelassener beim Spielen werde.

 

Lasst uns also die Pausen zelebrieren, auf dass die Musik wieder Luft bekommt – und wir auch.

 

In diesem Sinne viel Freude beim Gitarrenspielen 🙂

Musikgeschichten Nr.14

Also das ist mir nun doch seit Jahren nicht mehr passiert!
Als ich letzthin wieder mal in einem Brockenhaus am stöbern war, kaufte ich mir für 90 Rappen (!) eine CD von Taj Mahal.
Ich muss gestehen, dass trotz meiner zeitweiligen Hingabe zum Blues noch kein einziges Album dieses Künstlers bei mir Regal stand.
Nun denn, ich also friedlich nach Hause in die gute Stube, meine geliebte Hi-Fi Anlage angeworfen, die Cd eingelegt und in Position gesessen.
Und dann dies: von der ersten Sekunde war ich gefesselt; dieser Sound, die Stimme, die Produktion – der Wahnsinn! Roher Blues, verpackt in spannende, unheimlich groovende Songs, ohne ausufernde Solis, einfach nur schweinegut und straight to the heart. Vom ersten bis zum letzten Stück – immerhin glatte 40 Minuten – habe ich auf meinem Stuhl keinen Wank gemacht, nein, stimmt nicht ganz, mein Kopf konnte nicht stillhalten. Ich genoss jede Minute dieser wunderbaren Aufnahme.
Dann erst schaute ich mir die Angaben auf der Cd etwas genauer an. Taj Mahal, das war mal klar, „The Natch’L Blues“ heisst das Album, aufgenommen 1968 mit einer Handvoll ausgelesener Musiker.
Für mich definitiv eine Offenbarung, fernab von den heutigen Blues-Scheiben, und mit Sicherheit eine der besten Alben, die ich jemals gehört habe, und nichts weniger!

Ah ja, als Info für Interessierte, abgespielt habe ich die CD über einen NAD Cd Player, DAP Proceeder, Röhren-Vollverstärker Rolf Sigrist – Sound Design und ESS Speakers aus den 80er Jahren (https://www.hifiengine.com/manual_library/ess/monitor.shtml)

Musikgeschichten Nr.13

Ich denke, es ist wieder mal an der Zeit, auf die Vorlieben meiner Musiksammlung einzugehen.
Die Ostertage waren besonders geeignet, auf dem Sofa herumzulümmeln und sich mit Musik die Zeit zu vertreiben. Eine der Platten, die mir in die Hände kam, war „Big Bad Luv“ von John Moreland aus dem Jahre 2017. Moreland ist ein typischer Vertreter der jüngeren American Singer/Songwriter Fraktion. Elemente aus Folk, Country und Rock finden zu einer feinen Mischung zusammen. Viel Gitarre, elektrisch wie akustisch, Bass, Organ, drums, alles ohne Schnickschnack.
Auf seinem aktuellen Werk lehnt sich der Song „Amen, so bet it“ an die farbige Instrumentierung von Tom Petty & The Heartbreakers an. Und auf „No Glory In Regret“, ein weiteres Stück auf dieser LP, arrangiert nur für akustische Gitarre und Gesang, erinnert die Stimme von Moreland angenehm an die ruhigeren Momente bei Bruce Springsteen.
John Moreland ist eine imposante Erscheinung, führt aber eine äusserst feine Klinge. Waren seine früheren Alben noch etwas rockiger, pflegt er heute eher einen sparsamen, akustisch geprägten Sound. Er selbst bezeichnet sich als ‚Songwriter’s Songwriter‘.
Und er ist ein weiterer lebender Beweis dafür, dass neben all dem langweiligen musikalischen Mainstream, der da tagtäglich aus dem Radio sickert, nachwievor viel Gutes auf dem Musikmarkt erscheint. Mein Tipp: Man nehme sich eine handvoll Zeit, gehe in ein Musikgeschäft (ja, es gibt sie noch) und lasse sich wie früher beraten. Und es funktioniert! (nein, nicht wie bei Fust, dort funktioniert nämlich gar nichts….).
Viel Spass beim entdecken 🙂

Musikgeschichten Nr.12

Ich schätze nicht nur den guten Ton an Instrumenten, ich bin auch ein Freund des guten Klangs beim Anhören von Lp’s und CD’s (für diejenigen, die das nicht mehr kennen: Vinyl-Langspielplatten und CompactDisc….) 🙂
Was mich immer schon fasziniert hat, sind Kopfhörer, die es fertigbringen, die Musik wie in einem realen akkustischen Raum erklingen zu lassen. So, dass man das Gefühl bekommt, „mitten drin“ zu sitzen.
Über die Jahre habe ich immer wieder Kopfhörer ausprobiert und gemerkt, dass es nicht so viele Modelle gibt, die mir dieses räumliche Gefühl geben. Mit dem B&O H6 kam ich erstmals sehr Nahe an meine Vorstellungen eines „rund“ klingenden Kopfhörers. Er war mir lange Zeit ein guter Begleiter.
Und dann geschah es, dass bei einem Besuch im Geschäft meines Vertrauens (für diejenigen, die das nicht mehr kennen: Ein Laden, mit realem Verkäufer und mit richtiger Beratung…..), mir das aktuelle Modell von Sennheiser HD 800 S vorgestellt wurde. Der Klang war unglaublich; klar und differenziert bis in die tiefsten Ecken, brillante Höhen, warme Bässe……
Und wie das so ist im Geschäft deines Vetrauens, du darfst den Artikel auch zu Hause in aller Ruhe ausprobieren (ja, ich weiss, das kann man bei Zalando auch…..).
Nun, das tat ich natürlich gleich ausführlich. Ich brauchte aber eine gewisse Zeit, bis ich die Unterschiede vom B&O zum Sennheiser wirklich bewusst wahrnahm. Die Unterschiede der einzelnen Modelle auf diesem Level sind nicht mehr so riesig.
Was mir ziemlich bald auffiel, war, dass die Verteilung der einzelnen Instrumente noch mehr ins Detail ging, das Räumliche Erlebnis somit noch deutlicher zu spüren war. Da Klang der Bass hinten rechts, die Gitarren eher hinten links, der Gesang schön in der Mitte, die restlichen Instrumente schön süüferli im Raum verteilt – grossartig. Nur die Höhen waren mir Anfangs etwas zu brillant, aber da half ein kleines Nachjustieren am Treble-Knopf (für diejenigen, die das nicht mehr kennen: Treble ist eine Einstellmöglichkeit der Höhen an einer Stereoanlage….für diejenigen die auch das nicht mehr kennen – ach, das führt jetzt zu weit…..).
Und was ich auch feststellen konnte: mit Kopfhörer sollte man nicht mit zu hoher Lautstärke Musik hören. Erstens bekommt man einen sturmen Kopf nach einer Weile, zweitens ist es effektiv gar nicht von Nöten. Und was ich ebenso lernte, ist, dass das Empfinden des Musikerlebnisses absolut subjektiv ist. Da kannst du tausend Testberichte, Forum-Beiträge und Kommentare lesen, den bleibenden Eindruck kriegst du nur, wenn du selbst die Ohren unter so ein Teil klemmst.
A propos klemmen; das Tragen des Sennheiser und des B&O ist alleine schon ein Vergnügen, federleicht, sag ich da nur!
So, ich setz mir nun wieder meinen Sennheiser auf und bin dann mal weg 🙂