Musikgeschichten Nr.11

Feinjustierung. Ein kleines Wort mit grosser Wirkung.
Nehmen wir zur genaueren Erklärung das Beispiel einer Band, am besten die Gruppe „Gadjolinos“, da kann ich als Mitstreiter gleich aus erster Hand berichten.
Diese Band erarbeitet sich nun zu Beginn ihres Bestehens über mehrere Monate ein Programm. In erster Linie werden die ausgewählten Stücke/Songs geprobt, in der Folge ergibt sich einen stattliche Anzahl davon und man geht daran, erste Auftritte zu organisieren. Mit dem eingeübten, noch frischen Programm, nennen wir es mal Programm im Rohzustand, spielt man ein erstes Konzert im kleinen Rahmen. Auf diese Weise zeigt sich vor Publikum, was noch geändert werden muss und was es alles zu optimieren gilt. Wichtige Punkte wie die Kommunikation mit dem Publikum, saubere Anfänge und Schlüsse der einzelnen Stücke, Soundabstimmungen etc.etc. All das braucht einiges an Gespür und Feinjustierung und funktioniert nicht von heute auf morgen. Aus Erfahrung sind da gut und gerne fünf bis zehn Auftritte nötig, bis die Mechanismen greifen und die Band kompakt daherkommt.
So fein diese Justierungen auch zu sein scheinen, es bedingt viel Kleinstarbeit und ist bei jeder Probe fester Bestandteil.
Und genauso ist auch jedes weitere Konzert für uns „Gadjolinos“ eine Gelegenheit zur Feinjustierung, auf das die Band von Auftritt zu Auftritt wachsen kann und auf diesem Wege zu einer gutgeölten, attraktiven Grösse in der hiesigen Gypsy-Jazz Szene werde kann.
Wie sagt man doch so schön: Gut Ding will Weile haben.
Stimmt genau.

Alltagsgeschichten Nr.16

Auf die bestürzte Frage meines Gegenübers, was in aller Herrgottsnamen ich denn überhaupt noch zu mir nehmen würde, wenn schon keinen Kaffee, keinen Wein, kein Bier, keine Zigaretten und auch sonst nichts halluzinogenes, antwortete ich mit „Tee“ – das gab ihm den Rest. Geschieht übrigens öfter als man denkt. Die gerade erst begonnene Unterhaltung kommt dann jeweils arg ins Stocken und versandet quasi im staubtrockenen Untergrund des Unverständnisses.
Aber bitte, so schlimm kann das nun auch nicht zu verstehen sein, schliesslich haben bereits die Kaiser im alten China Tee getrunken; und das schon vor einigen tausend Jahren. Natürlich nicht in Beuteln, gottseidank, was ich im übrigen auch nicht tue, nicht mal wenn ich krank bin. Aber einen Aufguss mit frischen Teeblättern, manche so gross wie ein Daumen, lasse ich mir gerne gefallen. Womit auch schon die Frage geklärt ist, was Tee in einem Gitarrenblog zu suchen hat; ich Gitarre und ich Tee. So einfach.
Für alle die davon ausgehen, dass mit Kamillen und Pfefferminztee bereits alles gesagt ist, nur so viel: All das spannende Gerede über Bouquet, Nase, Torf, Süd oder Nordhang, welches wir von Wein oder Whiskey kennen, gibt es auch beim Tee. Lest nur mal einen Beschreib einer seltenen Pflückung auf der Homepage des Teeladens Shui Tang in Zürich und ihr ahnt wie gross die Welt des Tees sein kann.
Tjah, und so trinke ich also regelmässig mein Tässchen heisses Wasser, rieche an den aufgegossenen Blätter, erfreue mich an den verschiedenen Farben der Aufgüsse und rätsle, wie um alles in der Welt ein derart unscheinbares Kraut so vielseitig schmecken kann.
Wer nun ein bischen gwunderig geworden ist, der sollte sich mal auf einen Besuch in eben jenen Teeladen an der Spiegelgasse im Zürcher Niederdorf begeben und mit etwas Glück und Geduld am Teetisch der Inhaberin Meng Lin Chou eine Tasse Tee trinken und einfach mal zuhören, was es alles über dieses Getränk zu erfahren gibt. Und keine Angst, man muss weder thaiwanesisch noch chinesisch können 🙂

Gitarrengeschichten Nr.6

Kürzlich habe ich von einem Freund folgenden Artikel aus dem Tages Anzeiger zugesandt bekommen:

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IST DIE GITARRE AM ENDE?

Ein halbes Jahrhundert lang beherrschte sie mit zarten Zupftönen und infernalischem Brüllen die populäre Musik. Doch jetzt schreiben die grossen Gitarrenfirmen rote Zahlen.

In Nashville, im amerikanischen Bundesstaat Tennessee, wurde gerade eine elektrische Gitarre verkauft, die nie einem prominenten Musiker gehört hat und trotzdem sehr teuer ist: eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1958 in der Farbe «Cherry Sunburst», also einer Lackierung, die von einem hellen Gelb zu einem dunklen Rot changiert. Mehr als 600’000 Dollar bezahlte ein Gitarrengeschäft dafür. Ein paar Tage später erschien in der «Washington Post» ein Artikel des Kulturjournalisten Geoff Edgers, der seitdem nicht nur die Musikbranche, sondern auch zahllose Hobbymusiker beschäftigt: «Der langsame, geheime Tod der elektrischen Gitarre» lautet der Titel der Reportage. Beide Ereignisse gehören zusammen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert war die Gitarre das beherrschende Instrument der populären Musik, und sie war es vor allem in ihrer elektrischen Gestalt: leicht zu tragen, als Rhythmus- wie als Melodie-Instrument einsetzbar, mit einem breiten Klangregister, das von zarten Zupftönen bis zu infernalischem Brüllen reicht. Und man muss nur den Lautstärkeregler aufdrehen, um Hallen zum Beben zu bringen. So ausgerüstet, brachte die Gitarre die Identifikationsgestalt der populären Musik schlechthin hervor: den heroischen Virtuosen vor einer Wand von Lautsprechern, wahlweise Gott (Eric Clapton) oder Teufel (Slash), der Millionen Nachahmer fand. Manche von ihnen wurden Luftgitarristen, viele kauften Gitarren.

In den USA ist der Verkauf von elektrischen Gitarren von etwa 1,5 Millionen Stück pro Jahr (2007) auf etwas mehr als eine Million Exemplare gesunken. Das Guitar Center in Los Angeles, der grösste amerikanische Musikalienhändler, hat 1,6 Milliarden Dollar Schulden. Die Firma Gibson schreibt rote Zahlen, nachdem sie im Jahr 2014 dem niederländischen Konzern Philips die Sparte Unterhaltungselektronik abgekauft hatte, um zum Lifestyle-Unternehmen zu werden: zu einem Unternehmen wie Nike, wie der Geschäftsführer sagt. Dem schärfsten Konkurrenten Fender geht es nicht viel besser.

Der Gitarrenheld, die verkaufsfördernde Massnahme schlechthin, ist ihnen abhandengekommen. Im Jahr 2010 wurden, zum ersten Mal seit Jahrzehnten, in den USA wieder mehr akustische als elektrische Gitarren verkauft. So wie es kaum neue Gitarrenbands mehr gibt, entstehen auch keine neuen Gitarrengötter mehr.

Jüngere Menschen hören andere Musik. Ein Grossteil stammt aus dem Computer. Unterdessen drehen die alten Gitarrengötter, so sie noch leben, weiter ihre Runden, zum Vergnügen eines Publikums, das mit ihnen altert. Als sie in gut bezahlte Berufe vorstiessen, kauften sie sich die Gitarren, die sie sich in ihrer Jugend nicht hatten leisten können. Jetzt verkleinern sie ihre Sammlungen, wenn sie diese nicht gar auflösen.

«Zweifellos ist bei Gitarren eine Sättigung des Markts zu erwarten», sagt der Geschäftsführer des Musikhauses Thomann im oberfränkischen Burgebrach, des grössten Musikalienhändlers der Welt. Für Deutschland könne er aber noch keinen Niedergang erkennen. Vielleicht ändern sich die Vorlieben auch wieder. «Gitarrenbands sind jetzt tot», bekamen die Beatles gesagt, nachdem sie im Januar 1962 vergeblich bei der Plattenfirma Decca vorgespielt hatten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
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Tjah, was soll man dazu sagen……Das Jammern der Grossen Gitarrenhersteller?
Es dürfte doch wohl langsam auch dem Allerletzten bekannt sein, dass Wachstum nicht ewig dauern kann, auch nicht in der Musikbranche.
Nach den wirklich fetten 70er bis 00er Jahren, scheint nun der Zenit erreicht. Doch anstatt sich mit dem Zustand des Wandels zu befassen und sich neu zu orientieren, rufen alle lauthals von der grossen Krise im Musikbusiness. Klar, die Branche hat sich gewandelt, zahlreiche kleinere Geschäfte müssen schliessen; aber das liegt primär am veränderten Kaufverhalten der Konsumenten – siehe online-Handel etc. Doch so läufts nun mal und lamentieren nützt da wenig. Viel mehr wäre Innovation gefragt, auch ein Umdenken der kleineren Betriebe, zurück zu Kundennähe und profesioneller Beratung, eventuell mit einem verkleinerten Sortiment.
Aber wenn nun grosse Firmen wie Gibson und Fender dummerweise das Gefühl haben, sie müssten sich zu Lifestyle-Unternehmen wie zum Beispiel Nike gebahren, anstatt sich auf ihre Grundwerte zu besinnen, so hält sich mein Mitgefühl doch in sehr engen Grenzen. Und genau diese Firmen sind es zurzeit, die am lautesten Klagen.
Lassen wir uns also nicht die Freude am Gitarrenspielen vergraulen, weil sich ein paar Besserwisser in der Gitarrenherstellerbranche ziemlich verlaufen haben, und fröhnen weiterhin unserem liebsten Hobby, dem Gitarre spielen.

Musikgeschichten Nr.10

In den 70ern sorgten im Dunstkreis der Eagles und Crosby,Stills,Nash and Young, eine Reihe weiterer Bands mit ihrem unverwechselbaren mehrstimmigen Gesang, für einen ganz eigenen Sound, der sich am ehesten mit Folk/Country-Rock beschreiben lässt.
Noch heute bin ich immer wieder hin und weg, wenn ich diese wunderbaren Gesangsharmonien höre, die in dieser Art und Weise nur die Amerikaner hingekriegt haben.
Eine Band aus jener Ära kam mir letzthin auf den Plattenteller und zog mich erneut in ihren Bann. Firefall, eine Gruppe zusammengesetzt aus ehemaligen Mitmusikern der Byrds und Stephen Stills Manassas.
Ihr gleichnamiges Album „Firefall“ aus dem Jahre 1976 enthält zwei Song, die gesanglich unheimlich schön sind. „No way out“ und das göttliche „Cinderella“. Gefühlte zehntausend Mal habe ich mir die Songs bereits angehört und immer noch überkommt mich beim Anhören eine tiefe Zufriedenheit. So auch an jenem Morgen vor einigen Tagen, als ich nach einer gemütlichen Kanne Tee (genau, ihr erinnert euch, da komm ich noch darauf zurück…..) noch etwas Zeit hatte und mir eine halbe Stunde Musik gönnte. Und siehe da, so wie manchmal ein paar nette Worte guttun, kann auch schöne Musik zum Glück beitragen. In diesem Sinne ist Musik reine Glücksache – so oder so 🙂
Darum ein begeistertes Hoch und Hallelujah auf all die wunderbaren Bands wie Eagles, Crosby Stills,Nash and Young, Little River Band, Atlanta Rhythm Section, Friefall, Little Feat und wie sie noch alle geheissen haben. Mögen sie in unseren Musikherzen ewig weiterleben.

Musikgeschichten Nr. 9

Man muss zuerst die Treppe hochsteigen, um in das Ladenlokal des Platten- und CD- Geschäfts zu gelangen. Die Einrichtung im ersten Stock des Gebäudes an der Ecke Langstrasse/Stauffacherstrasse, hat sich in den letzten dreissig Jahren nicht verändert, aber das tut nichts zur Sache. Entscheidend ist die Fülle des Angebots an guter Musik. Und die Beratung. Als ich letzthin nach längerer Zeit des Unterbruchs wieder einmal im Jamarico zu Besuch war, viel mir auf, wie viele neue Platten und CD’s auf dem Markt sind, von denen ich nicht mal den Namen der Künstler kannte. Allein die Abteilung News Pop/Rock umfasste an die zweihundert Alben! Hilfesuchend wandte ich mich an Woody Jacobs, seines Zeichens Besitzer des Ladens, und bat ihn um Rat. Woody Jacobs ist ein Unikum, wie sein Inventar hat auch er sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Vielleicht etwas gebückter in der Haltung, immer noch schüchtern, aber mit einem enormen Wissen über Musik. Er stellte mir eine Auswahl an Platten zusammen, die ich an der Soundbar durchhören konnte. Die Soundbar im Jamarico besteht aus mehreren Abspielgeräten, CD Player wie auch Plattenspieler, alle in Würde gealtert, aber immer noch funktionstüchtig. Man mag mich einen Nostalgiker nennen, aber ich liebe es, den Tonarm eines Plattenspielers zu führen und die Nadel sachte auf das sich mit dreiunddreissig Touren drehende Vinyl aufzusetzen. Das gleiche gilt auch für den CD-Silberling; Fach auf, Cd rein und Play-Knopf drücken. Mensch, was willst du mehr.
Ich hörte mich also durch den Stapel Musik und freute mich darüber, wie viel gute Musik es nachwievor gibt. Am Ende entschied ich mich für die neuen Alben von Riley Walker, Cass McCombs und eine limitierte Neuauflage von „Stripped“ von den Stones (ja doch, diese Band kannte ich schon……) aus dem Jahre 95. Woody bedachte meine Auswahl mit einem schüchternen Lächeln und meinte “ nöd schlecht….“. Manchmal reichen zwei Worte. Einfach schön, dass es Läden wie den Jamarico noch gibt.

Musikgeschichten Nr. 8

Angefangen hat alles vor ein paar Monaten, als ich von einem Bekannten einen Thorens Plattenspieler und einen NAD Receiver zu einem äusserst schmeichelhaften Preis kaufen konnte. Dieser Umstand führte dazu, dass ich neuerdings einen Grossteil meiner freien Zeit zu Hause vor der Stereoanlage verbringe und mich durch meine Musiksammlung höre.
Was genau geschehen ist?
Nun, bereits sei geraumer Zeit bin ich mit dem Klang meiner Lautsprecher nicht mehr zufrieden. Erschwerend kommt dazu, dass die Akustik in unserem Wohnzimmer etwas heikel ist. Ich entschloss mich deshalb, mit diesem Anliegen den Fachmann um Rat zu fragen.
Also stattete ich meinem bevorzugten Händler auf diesem Gebiet, Radio/TV Zimmermann in Zug, einen Besuch ab und schilderte dem Verkäufer mein Problem. Zufälligerweise waren genau am selben Tag eine Reihe neue Revox-Lautsprecher im Laden eingetroffen und der Verkäufer fragte, ob ich Zeit hätte und einen Hörvergleich mit den verschiedenen Modellen machen wolle. Na klar, wollte ich! Tjah, sie klangen allesamt verdammt gut, die Dinger……. Wie das wohl bei mir zu Hause tönen würde? Der Verkäufer machte den Vorschlag, ich solle zwei Modelle aussuchen und diese über das Wochenende zu Hause ausprobieren. So kam es, dass ich Radio/TV Zimmermann mit zwei Revox-Boxen im Gepäck verliess.
Beim Testen im heimischen Wohnzimmer staunte ich abermals; die Boxen machten sich super und eröffneten mir ein völlig neues Klangerlebnis – ich war hin und weg.
Hin und weg war dann auch meine Freundin, als ich ihr den Preis nannte und es brauchte einige schlagende Argumente und mehrere hohe Trumpfkarten, bis wir uns einig waren.
Doch das Hörvergnügen ist unterdessen für beide so gross, dass wir froh sind, uns für den Kauf der Revox Lautsprecher (Modell: Column ) entschieden zu haben. Ich nehme mir derweil wieder mit Freude Zeit, setze mich gemütlich hin und gönne mir in aller Ruhe eine Lp- oder CD-Länge Musikgenuss. Momentan habe ich gerade eine Singer/Songwriter-Phase und bin auf einige neue Interpreten gestossen, aber davon ein andermal.
Und die Moral von der Geschicht?
Radio/TV Zimmermann ist cool, sich Zeit nehmen ist cool und Musik aus gutklingenden Boxen zu hören ist cool.
Probiert es aus.

Alltagsgeschichten Nr.15

Ich kann mich noch gut erinnern.
Als ich um die 25 Jahre alt war, zog mein bester Freund ins Tessin nach Lugano.
Um den Kontakt nicht zu verlieren, besuchte ich ihn regelmässig und verbrachte so viele schöne und unvergessliche Wochenenden in Lugano. Irgendwann begannen wir dann, uns ab und zu auch Briefe zu schreiben. (Anmerkung: das ist ein bisschen so wie mailen, nur viel krasser).
Meistens berichteten wir einander in unseren Schreiben, was uns gerade so beschäftigte und interessierte. Hie und da erfanden wir auch irgendwelche kruden Geschichten, die wir uns im Spass gegenseitig zuschickten. So entwickelte sich nach und nach eine Art Fortsetzungsgeschichte in Briefform. Die Story war eigentlich absoluter Nonsens, trotzdem hatten wir viel Spass dabei.
Irgendwann entschieden wir uns dann – wenn ich mich recht erinnere, war es nach einem Abend mit viel Pizza und Grappa – unsere Briefgeschichten zusammenzufassen und in Buchform herauszugeben.
Natürlich interessierte sich kein halbwegs vernünftiger Verlag für unser Buchprojekt. Doch mein Freund und ich waren zwei sture Zeitgenossen und entschlossen uns, den widrigen Umständen zum Trotz, das Buch in eigener Regie herauszugeben.
Ein guter Kollege führte zu dieser Zeit in Zürich eine kleine, aber feine Druckerei und erklärte sich bereit, unser Werk für einen günstigen Preis zu drucken.
Auch der Titel des Buches stand unterdessen fest. „Wenn der Sauhund durchs Dörfchen braust“, so sollte das Werk heissen. Anhand des Titels lässt sich unschwer erahnen, dass wir unser Prosawerk nicht in der gehobenen Belletristik angesiedelt sahen.
Jedenfalls stand das Buch wenig später in einer Auflage von 500 Exemplaren frisch gedruckt bereit. Nun mussten wir uns nur noch einfallen lassen, wie das Prosawerk an den Mann/Frau zu bringen war.
Die Situation war damals so, dass mein Freund als Schauspieler sein tägliches Brot verdiente und auch ich als Musiker bereits einige Erfahrung hatte. So entstand die Idee, eine kleine Lese-Tournee auf die Beine zu stellen. Wir probten ein Programm, in dem wir aus unserem Buch vorlasen, das Ganze mit Gitarre begleiteten und dazu kurze Szenen aus der Geschichte als Sketches spielten.
Und siehe da, wir konnten einige Auftritte absolvieren und so einen Grossteil der Buchauflage verkaufen. Und als grosses Highlight schaffte es das Werk sogar ins Schweizer Fernsehen, jaja, wahr ist’s. Frank Baumann stellte „Wenn der Sauhund durchs Dörfchen braust“ in seiner damaligen Sendung „Ventil“ vor.

Und da soll noch einer sagen, Briefe schreiben lohne sich nicht……

Meinem Freund und mir hat diese Brieffreundschaft jedenfalls einiges an Vergnügen und Unterhaltung geboten und noch heute schleicht sich ein Schmunzeln auf unser Gesicht, wenn wir über diese Zeit sprechen.
In diesem Sinne: Schreiben ist gesund und gibt eine gute Laune! 🙂

Gitarrengeschichten Nr.5

Also wenn mir vor Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal Gypsy Jazz spielen würde, hätte ich geantwortet „ja wahrschiinli….. !!“.Tjah, und jetzt habe ich den Salat; Ich spiele Gypsy Jazz. Früher war meine Beziehung zum Jazz eher fremdartiger Natur, ich hörte allenfalls Jazzrock àla Tom Scott oder Eddie Harris, aber mit reinem Jazz oder gar Free Jazz…… Gott behüte! Naja, mit den Jahren wird man etwas weiser und geduldiger, interessiert sich vielleicht auch einmal für neue Dinge oder andere Musikstile etc.etc. Genau so erging es mir jedenfalls. Auf einmal machte es mir Spass, die aufregende Musik von Musikern wie Django Reinhardt, Trio Rosenberg, Tchavolo Schmitt, Angelo Debarre und vielen anderen zu hören. Und wieviel Gitarre in dieser Musik steckte! Ein Solo nach dem anderen und keiner reklamiert 🙂 Die Grundbesetzung im Gypsy Jazz ist Lead Gitarre, Rhythmus Gitarre und Kontrabass. Und zack, klingt es bereits. Ich fing an, mit befreundeten Musikern zu üben, kaufte mir eine geeignete Gypsy Gitarre und versuchte so viel wie möglich über diese spezielle Musik zu lernen. Irgendwann lernte ich meine heutigen Freunde und Mitmusiker kennen und wir entschlossen uns, Nägel mit Köpfen zu machen und eine Band auf die Beine zu stellen. Das Trio „Gadjolinos“ war geboren. Und obwohl ich mich eigentlich vor einigen Jahren von der Bühne verabschiedet habe, stehen nun wieder Konzerte an und ich freue mich auf eine neue musikalische Reise, fernab von Rock’n’Roll und elektrischen Gitarren. Denn Gypsy Swing ist ein akustischer Sound, allenfalls leicht verstärkt für etwas grössere Lokalitäten. Und er kann überall gespielt werden; in Bars, an Apéros, im Freien, auf Bühnen etc.etc. Der Aufwand ist minimal; Instrumente auspacken und loslegen! Es macht einfach Spass. Und so bin ich nun also muikalisch dort angekommen, wo ich gar nie hinwollte. Und die Moral von der Geschicht? Sag niemals „ja wahrschiinli“.

Alltagsgeschichten Nr.14

Kennt ihr Tee? Nein, nicht den Beutel-Tee! Den richtigen Tee, Tee-Blätter verarbeitet als Grüntee, Oolong oder Pu Er. Eine Offenbarung! Aber ich will hier nicht eine Lobrede über Tee halten (das mach ich ein andermal, ihr seid gewarnt….). Ich will euch nur erzählen, dass man als Tee-Trinker auch ins Fernsehen kommt.
Aber sicher doch. Ist mir geschehen, kürzlich in Zürich, in meinem Lieblings-Tee-Laden Shuitang an der Speigelgasse 26. Das kam so: An manchen Samstagnachmittagen, nach Unterrichtsschluss, zieht es mich ab und an in die Limmatstadt, zum abschalten nach einer intensiven Woche. Ich pendle dann jeweils zwischen meinen Lieblings-Läden hin und her, schau mal da, mal dort kurz rein auf einen Schwatz und geniesse die Abwechslung zum wöchentlichen, beschaulichen Landleben.

Letzten Samstag nun geschah es, dass ich auf einen kurzen Besuch im Shuitang war, wie bereits erwähnt mein Lieblingsteegeschäft. Menglin Chou, ihres Zeichens die Inhaberin des Ladens, begrüsste mich erfreut und meinte, ich könne mich gleich zu der anwesenden Teerunde an den Tisch setzen, das Taiwanesische Fernsehen sei zu Besuch und wolle eine grössere Reportage über Teetrinken in der Schweiz drehen.
Aha, dachte ich. Und setzte mich mal diskret an den Tisch. Menglin erklärte darauf kurz den Ablauf des Drehs und dass wir alle kurz interviewt werden sollten – auf Taiwanesisch! Aha, dachte ich erneut. Kein Problem, ich sprech ja seit dem Kindergarten fliessend taiwanesisch …
Nach kurzer Intervention meinerseits wurde abgemacht, dass Menglin – sie stammt aus Taiwan – die Übersetzung übernimmt. Und weils grad so lustig war, bestimmte man mich als ersten Interview-Gast. Aha, dachte ich.

Nun ist es ja nicht so, dass ich täglich vor einer Kamera steh oder dergleichen. Genau genommen stehe ich eigentlich nie vor einer Kamera, ausser für gutgemeinte Schappschüsse in meinen Sommerferien. Will heissen, es schlich sich wie angeworfen eine leichte Nervosität ein, zu vergleichen vielleicht am ehesten mit der Situation, wenn man beim Zirkusbesuch in der ersten Reihe sitzt und urplötzlich während der Clown-Nummer zur allgemeinen Erheiterung des restlichen Publikums als Figurant in die Manege geholt wird.

Nun gut, es hiess also Spot an und ich wurde von der taiwanesischen Journalistin allerhand über meine Teegewohnheiten gefragt. Wie meine Antworten genau ausfielen, vermag ich nicht mehr genau zu schildern, es ging alles ein bischen zu schnell und zu taiwanesisch. So richtig erinnern kann ich mich erst wieder an das nette „thank you“ der Journalistin, dass sie mir am Ende des Interviews zulächelte. Und das wars dann auch schon.

Die Kameras wurden abgebaut, fröhliches Verabschieden und alles Gute Gewünsche und weg waren sie, die Taiwanesen. Ich meinerseits hatte mich wieder einigermassen eingeklinkt und nahm dankbar die gereichte Schale Tee entgegen.
Nach dem dritten Schluck kam mir in den Sinn, dass ich mir von nun an gut überlege sollte, ob ich an meinen nächsten Samstagnachmittagen nicht besser ins Murimoos oder den Tierpark Langenberg fahre und mir dort ein abgelegenes, ruhiges Plätzchen zum abschalten suche – so als Ausgleich zum stressigen Fernseh-Alltag.

In diesem Sinne: Fernsehstar – ob in Taiwan oder auch sonstwo – ist definitiv nichts für mich 🙂

Alltagsgeschichten Nr.13

Also bei mir ist das so: Wenn ich Schulferien habe, spiele ich während den Freitagen keinen einzigen Ton auf der Gitarre, ja, die Gitarre kommt mir nicht mal in die Nähe!

Das hört sich vielleicht etwas streng an, hat aber eine tiefere Bedeutung für mich. Im Alltag bin ich regelmässig mehrere Stunden nonstop mit meinen Instrumenten zusammen; ich spiele, notiere, höre Songs heraus, übe (ja, ich übe tatsächlich regelmässig), unterrichte, kurz: ein ziemlich inniges Verhältnis teilen wir da, meine Gitarre und ich.

Und wie es bei solch innigen Verhältnissen so geschehen kann, zwischendurch geht man sich schon mal gehörig auf den Senkel.
Und genau deshalb sehen wir uns dann eben eine ganze Woche mal gar nicht, meine Gitarre und ich. Es hat auch noch weitere Vorteile; nach einer Woche Trennung funktioniert das Zusammenspiel wieder tadellos und man geht etwas entspannter miteinander um.

Tjah, was ein paar Tage Abstand doch ausmachen können….. Ich jedenfalls kann jedem Musiker ans Herzen legen, sein Instrument ab und an etwas ruhen zu lassen und die Gedanken in andere Richtungen zu lenken, das wirkt Wunder.

Und mit diesen Worten wende ich mich nun wieder einem ganz und gar unmusikalischen Thema zu und trinke in aller Ruhe eine köstliche Tasse feinsten Oolong Tee. Habe die Ehre 🙂